Skampa-Quartett (Streichquartett)

Aus Böhmens Hain und Flur...
2. Abo-Konzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Skampa-Quartett
Skampa-Quartett

Programm

Suk
Meditation

Dvorak
Streichquartett G-Dur op. 106

Smetana
Streichquartett Nr. 1 e-Moll "Aus meinem Leben"

Kritik

Intensiver geht's nicht

Škampa-Quartett brilliert beim Accordate-Konzert

Von Thomas Beaujean

Aachen. Eine geballte Ladung böhmischer Musik hatte das in Prag beheimatete Škampa-Quartett im Gepäck bei seinem Auftritt in der Kammermusikreihe Accordate im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Schnee und Eis hatten die ansonsten so voll besetzten Reihen etwas gelichtet. Diejenigen, die den Wetterkapriolen getrotzt hatten, erlebten einen hochkarätigen Kammermusikabend voller Emotionen.

Werke von Josef Suk, Antonín Dvořák und Bedřich Smetana bildeten die Programmfolge. Dvořáks Lieblingsschüler und späterer Schwiegersohn Suk war mit einer kurzen Meditation über einen altböhmischen Choral vertreten, eine Reverenz an seine böhmische Heimat. Das Škampa-Quartett mit Helena Jiříkovská, Daniela Součková, Radim Sedmidubský und Petr Šporcl bestach bereits hier durch vorbildliche Homogenität und klangliche Differenzierung, die den Choral in immer neue Klangfarben tauchte.

Dvořáks späte Quartette nach dem „Amerikanischen“ haben es auf den Konzertpodien etwas schwer. Auch das G-Dur-Quartett op. 106 macht dem Hörer den Zugang nicht leicht, ist doch sein großdimensionierter Zuschnitt fast sinfonisch angelegt, seine Harmonik kühn und seine thematische Verarbeitung ungewöhnlich. Wer das Werk jedoch vom Škampa-Quartett hört, der lässt sich überrumpeln von der Unmittelbarkeit des Ausdrucks, der Intensität der Tongebung und der spieltechnischen Perfektion. Da ist jede Phrase voller Spannung ausgestaltet, die Dynamik vorbildlich differenziert, die Klangbalance perfekt, was nicht zuletzt daran liegt, dass vier gleichwertige Musikerpersönlichkeiten zusammentreffen, die bei aller professionellen Routine sichtbar Freude an ihrem Musizieren haben.

Bis die Saite reißt

Dass diese Intensität des Musizierens auch Smetanas bekenntnishaftem erstem Quartett e-Moll „Aus meinem Leben“ zugutekam, liegt auf der Hand. Das durch programmatisch-autobiografische Anmerkungen des Komponisten angereicherte, von einem Schicksalsmotiv durchzogene hochdramatische Werk erlebte eine Wiedergabe von solcher Klangintensität, dass dem Cellisten im Finale eine Saite riss, kurz vor dem Einbruch des Tinnitus-Tons, den Smetana als erstes Anzeichen seiner beginnenden Ertaubung in sein Quartett einarbeitete. Die dadurch entstandene Pause überbrückte Bratscher Semidubský mit einer in perfektem Deutsch gehaltenen Werkerläuterung.

Als Zugabe boten die vier eine temperamentvolle „Karpatka“ des ehemaligen Quartettmitglieds Pavel Fischer.

AZ/AN vom 22.01.2013

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