Quatuor Ebène (Streichquartett)

Les Maîtres!
1. Abo-Konzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Quatuor Ebène
Quatuor Ebène © Julien Mignot

Künstler

„Ein Streichquartett, das sich mühelos in eine Jazzband verwandeln kann“, so stand es 2009 in der New York Times nach einem Auftritt des Quatuor Ebène. Der Ausspruch bezieht sich auf die Fähigkeit des Quartetts ebenso leidenschaftlich und gekonnt zu improvisieren, wie es sich den Meisterwerken ihres Repertoires widmet. Offen, unvoreingenommen und respektvoll musizieren die Vier, und mit der Leidenschaft bei ihren Konzerten beleben sie die Welt der Kammermusik wie kaum ein anderes Ensemble.

Sehr lange hat Johannes Brahms gebraucht, bis er sein erstes gültiges Streichquartett zur Veröffentlichung frei gab. Als zu mächtig muss er das Erbe empfunden haben, dass ihm unter anderem Ludwig van Beethoven hinterlassen hat, und er war, auch wenn es aus heutiger Sicht vielleicht nicht allzu offensichtlich erscheinen mag, ein moderner Komponist, der neue Wege suchte und gehen musste.

Das Aachener Programm des Quatuor Ebène umrahmt den ewig suchenden Brahms mit zwei Werken seines großen Vorgängers Beethoven. Dabei zeigt sich, wie stark auch für Beethoven das musikalische Erbe gewesen ist. In seinem fünften Quartett finden sich Anleihen an Mozart und selbst in seinem letzten Quartett op. 135 klingt der Humor und die Spielfreude Haydns an. Ob allerdings der programmatische Untertitel ernst gemeint ist oder, wie es zahlreiche Anekdoten andeuten und das abschließende Allegro nahelegt, ein Scherz über finanzielle Angelegenheiten ist, wird sich wohl auch in Aachen nicht ergründen lassen.

Programm

Beethoven, Streichquartett op. 18 Nr. 5
Brahms, Streichquartett op. 51 Nr. 1
Beethoven, Streichquartett op. 135

Kritik

Eleganter Wohlklang

Ensemble Quatuor Ebène spielt Beethoven und Brahms

Von Thomas Beaujean

Aachen. Mit dem französischen Quatuor Ebène stellte sich zum Auftakt der neuen Saison der Accordate Kammerkonzerte eine noch relativ junge, aber bereits international arrivierte Formation im voll besetzten Krönungsaal vor, die mit einem Beethoven-Brahms-Programm aufwartete.

Beethovens fünftes Quartett in A-Dur aus der ersten Streichquartettreihe op. 18 und das allerletzte der insgesamt 16 Quartette op. 135 in F-Dur, Beethovens letzte vollendete Komposition überhaupt, rahmten das erste Quartett c-Moll op. 51 Nr.1 von Johannes Brahms ein.

Das mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnete Ensemble, das 2004 den ARD Wettbewerb gewonnen hatte, fühlt sich in den verschiedensten Gattungen der Musik zu Hause, im Jazz ebenso wie in der Klassik, machte darüber hinaus mit Crossover-Projekten von sich reden. Vielleicht gestattet dies einen unverkrampften Zugang zum klassischen Repertoire, ist dabei hilfreich, ein eigenes künstlerisches Profil zu entwickeln.

Auf Wohlklang bedacht

Bei Beethovens durchweg heiterem und tänzerisch bewegtem frühen A-Dur-Quartett überrascht schon bei den ersten Tönen eine gewisse Eleganz, die sich in der Tonbildung wie in einer freien Agogik äußert. Das ist alles auf Schönheit und Wohlklang bedacht, die Ausflüge ins klanglich Robuste sind selten.

Pierre Colombet und Gabriel le Magadure, Violine, Marie Chilemme, Viola, und Raphaël Merlin, Violoncello, pflegen einen ausgewogenen Musizierstil, der freilich fernab von jeglicher Sterilität angesiedelt ist. Dass sich das alles auf einem spieltechnisch äußerst hohen Level abspielt, dass Klangbalance und individuelles Können perfekt sind, versteht sich bei einem Ensemble auf diesem Niveau von selbst.

Spieltechnisch perfekt

Beethovens allerletztes Quartett in F-Dur, das sich in seiner Heiterkeit und Schwerelosigkeit stark von seinen unmittelbaren Vorgängern abhebt, erklingt hier in einer klanglich ausgewogenen, spieltechnisch perfekten, die durchbrochene kompositorische Struktur zusammenfassenden Wiedergabe, die in dem entrückten langsamen Variationensatz ihren emotionalen Höhepunkt findet.

Beim rhythmisch widerborstigen Scherzo wird klanglich etwas robuster zugepackt. Vital und mitreißend gelang das Finale mit dem Motto „Der schwer gefasste Entschluss“ mit seinem kapriziösen Frage- und Antwort-Spiel „Muss es sein? Es muss sein.“

Die durchgängige Schlankheit des Klangbildes, die Eleganz der Tonbildung und die plastische Ausformung der Motivik bestimmen auch die Wiedergabe des ersten der drei Quartette von Johannes Brahms. Die Energie des Kopfsatzes mit ihrer punktierten Rhythmik wirkt vital, aber immer klanglich gebändigt, wunderschön kantabel gelingt die Romanze, intensiv und emotional bohrend das Finale.

Dass das Ensemble Quatuor Ebène nach dem zweiten Beethoven-Quartett trotz des begeisterten und anhaltenden Beifalls auf eine Zugabe verzichtete, war angesichts des ausladenden Programms verständlich.

AZ/AN vom 09.10.2018

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