Quatuor Arod (Streichquartett)

Les Jeunes!
4. Abo-Konzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Quatuor Arod
Quatuor Arod © Quatuor Arod

Künstler

Das Quatuor Arod steht für die unglaubliche Qualität und nahtlose Tradition der französischen Streichquartette. Mit dem ersten Preis beim renommierten internationalen ARD-Wettbewerb hat sich das junge Ensemble endgültig in die Weltspitze der jungen Kammermusikergeneration eingereiht.

Eröffnen werden sie ihr Aachen-Debut mit Joseph Haydns viertem Quartett aus op. 76, das alle Qualitäten des Komponisten aufs Wunderbarste zusammenfasst: Unerschöpflicher Erfindungsgeist und Temperament, in Form gehalten durch den untrüglichen feinen Geschmack Haydns.

Bela Bartók verbindet in seinem fünften Streichquartett in höchster Vollendung die Welt der ernsten klassischen Musik mit der überschäumenden Fröhlichkeit der Volksmusik und lässt bei aller gewichtigen Kunst der Heiterkeit und Leichtigkeit genügend Raum.

Weit über 10 Jahre liegen zwischen den ersten Skizzen zu den beiden Quartetten op. 51 von Johannes Brahms und ihrer Uraufführung im Jahre 1873. Der Komponist hat sie selbst halbironisch als „Zangengeburt“ bezeichnet und befand daher in seinem Freund, dem Chirurgen Theodor Billroth, den idealen Widmungsträger.

Mit dem ersten Quartett aus Brahms op. 51 eröffnen die Lehrmeister des Quatuor Arod, das Quatuor Ebène, die Accordate-Spielzeit 2018/2019. Mit dem zweiten Quartett op. 51 wird sie von den ehemaligen und nun ausgereiften Meisterschülern des Quatuor Ebène, dem Quatuor Arod, beendet.

Programm

Haydn, Streichquartett op. 76 Nr. 4
Bartok, Streichquartett Nr. 5
Brahms, Streichquartett op. 51 Nr. 2

Kritik

Auf allerhöchstem Niveau

Enthusiastischer Beifall für das Quatuor Arod beim Aachener Accordate-Konzert

Von Thomas Beaujean

Aachen. Im letzten Konzert der Saison der Accordate-Kammermusikreihe präsentierte sich im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit dem Quatuor Arod eines jener jungen Streichquartette, die wie Pilze aus dem Boden schießen und in kürzester Zeit einen Grad an spieltechnischer Vollkommenheit erreicht haben, der nur noch staunen lässt. Die vier Musiker Jordan Victoria und Alexandre Vu, Violine, Tanguy Parisot, Viola, und Samy Rachid, Violoncello, setzen eine Tradition exzellenter französischer Streichquartette fort, die seit Jahrzehnten die internationale Kammermusikszene bereichern.

Vehement und ätherisch

Gleich beim einleitenden „Sonnenaufgang“-Quartett op. 76 Nr. 4 von Joseph Haydn wird deutlich, dass die vier jungen Musiker durchaus eigene interpretatorische Wege beschreiten. Sie spielen Haydn nahezu ohne Vibrato, modellieren Klangfarben und gestatten sich kleine Tempomodifikationen und dynamische Kontraste, die den weit in die Zukunft weisenden Charakter der späten Quartettkompositionen Haydns in ein besonderes Licht rücken.

Bei Béla Bartóks Quartett Nr. 5, das auch 85 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Sprengkraft eingebüßt hat, ist die interpretatorische Wucht und Vehemenz, mit der die vier die perkussiven Passagen und Tonrepetitionen, die Schärfe der Dissonanzen, die klanglichen Bruitismen und die Vitalität der ungeraden Rhythmen und Metren ausspielen, geradezu körperlich spürbar. Dem stehen Klänge von geradezu ätherischer Schönheit am Rande des noch Wahrnehmbaren gegenüber.

Die atemberaubende Präzision im Zusammenspiel ist ebenso zu bewundern wie die klangliche und künstlerische Ausgewogenheit der vier Musiker, die sich in Tonschönheit und Intensität in nichts nachstehen, wenn es um das Ausspielen melodischer Phrasen wie dem „Alla Bulgaresca“ im Scherzo geht.

Da wirkt die Wiedergabe des zweiten Quartetts op. 75 von Johannes Brahms wesentlich entspannter, obwohl das Quatuor Arod auch hier mit einer großen klanglichen Differenzierung und starken dynamischen Kontrasten aufwartet, die bisweilen etwas forciert wirken. Zu bewundern ist auch an dieser Interpretation die klangliche Durchleuchtung des dichten Satzes, der schlanke Gesamtklang, der den lyrischen Charakter des Werkes hervorhebt.

Das ist Quartettspiel auf allerhöchstem Niveau, das bei der Zugabe eines langsamen Satzes von Anton Webern, einem Frühwerk aus dessen Studienzeit, an klanglicher Schönheit nicht zu überbieten war. Der Beifall war enthusiastisch.

AZ/AN vom 21.05.2019

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