Lars Vogt (Klavier)

1. Abo-Konzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Lars Vogt
Lars Vogt

Künstler

Lars Vogt hat sich als einer der führenden Pianisten seiner Generation etabliert. 1970 geboren, zog er erstmals große Aufmerksamkeit auf sich, als er 1990 den zweiten Preis beim internationalen Klavierwettbewerb in Leeds gewann. In den letzten Jahren hat Lars Vogt eine steile Karriere sowohl in Europa als auch in den USA sowie in Fernost gemacht.

Lars Vogt hat zahlreiche CDs eingespielt, neben Solo-Aufnahmen auch seine ersten Aufnahmen mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle, mit dem ihn eine besonders intensive Zusammenarbeit verbindet und der ihn als "einen der außerordentlichsten Musiker, mit dem ich das Glück hatte, zusammenzuarbeiten" beschrieb.

Programm

Alban Berg (1885-1935)
Klaviersonate op. 1

Franz Schubert (1797-1828)
Drei Klavierstücke - Impromptus - aus dem Nachlass D 946

Franz Liszt (1811-1886)
Klaviersonate h-Moll

Kritik

Großer Meister feinster Nuancen

Dürener Weltklasse-Pianist Lars Vogt eröffnet die neue Accordate-Saison

Von Thomas Beaujean

Aachen. Ein zugkräftiger Name bescherte der Kammermusikreihe Accordate im Eröffnungskonzert der neuen Saison ein volles Haus. Im Krönungssaal des Aachener Rathauses war nahezu die gesamte Prominenz der Aachener Musikszene versammelt. Sie erlebte einen künstlerisch hochstehenden und unvergesslichen Abend, der mit Begrüßungsworten vom Schirmherrn der Reihe, GMD Marcus R. Bosch, eingeleitet wurde. Es war sicherlich nicht ohne Risiko, die Saison mit einem Klavierabend zu eröffnen, ist doch die problematische Akustik des Krönungssaales nicht gerade prädestiniert für den Klang des Klaviers.

Lars Vogt, zu Weltruhm gelangter Pianist aus Düren, konnte diese Bedenken schnell zerstreuen. Dieser hochsensible Künstler, dem jede spektakuläre Pose fremd ist, legte sein Klavierspiel ganz auf klangliche Intimität und Differenzierung an. Dabei machte er es dem Publikum nicht leicht. Alban Bergs sperrige Klaviersonate op. 1, noch tonal angelegt, aber die Grenzen der Tonalität bis zum Äußersten abklopfend, gab manchem Hörer Rätsel auf. Dabei spielte Vogt das einsätzige Werk mit einem Höchstmaß an klanglicher Differenzierung, machte die Binnenstrukturen hörbar und gab dadurch Verständnishilfen.

Auf einer ähnlichen Linie lag seine Interpretation von Franz Schuberts drei Klavierstücken aus dem Nachlass D 946, entstanden im Todesjahr des Komponisten. Vogts Klavierspiel mit seinem wundervoll gesanglichen Ton, der Verinnerlichung seiner ganz in den Dienst der Komposition gestellten künstlerischen Aussage, die klar modellierend die kontrastierenden Charaktere der rondoartigen Teile herausarbeitet und immer das Dunkle und Abgründige hinter der heiteren Fassade spüren lässt, nimmt den Hörer zutiefst gefangen. Franz Liszts berühmte h-Moll-Sonate stellt für jeden ambitionierten Pianisten eine Herausforderung dar, der er sich irgendwann stellen muss. Vogt spielte sie an diesem Abend zum ersten Male öffentlich. Auch hier geriert er sich nicht als Meister der großen Pranke, dem daran gelegen ist, die Oktavenkaskaden mit größtmöglicher Kraft zu donnern. Auch hier dominiert das Lyrische, das Nachdenkliche, feinste Nuancierung des Klanglichen, das sich am Schluss geradezu ins Nichts zu verflüchtigen scheint. Aber welche Kraft der formalen Strukturierung und Zusammenfassung ist hier am Werk. Eine Interpretation, die vollständig auf alles Vordergündige verzichtet. Am Ende stehende Ovationen und eine Mozart-Zugabe.

AZ/AN vom 26.08.2008

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