Il Fenomeno Aniello Desiderio

Guitar Gala

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Kritik

„Il Fenomeno“ verzückt Zuhörer

Weltklasse-Gitarrist Aniello Desiderio in Aachen. Interpretation problematisch.

Von Thomas Beaujean

Aachen. Mit einer „Guitar Gala“ des italienischen Weltklasse-Gitarristen Aniello Desiderio erlebte der Wettbewerb zum dritten Aachener Gitarrenpreis seinen krönenden Abschluss. Der „Il Fenomeno“ genannte Ausnahmemusiker entzückte und verblüffte sein Publikum im voll besetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses gleich in mehrfacher Hinsicht. Mit seiner phänomenalen Spieltechnik, seinen ungeheuren klanglichen Differenzierungen, den rasanten schnellen Passagen und einem höchst sonoren Akkordspiel sorgte er für ungläubiges Staunen darüber, welche Klänge ein Könner vom Range des Neapolitaners aus seinem Instrument zaubern kann.

Zugleich aber sorgte sein interpretatorischer Umgang mit den Werken von Isaac Albéniz, Joaquín Turina, Mauro Giuliani, Napoleòn Coste und Carlo Domenico für Fragen: Zu willkürlich waren die Tempoverzögerungen, zu wenig zwingend melodische Verläufe. Die klanglichen Differenzierungen waren so extrem, dass die kompositorischen Strukturen der Stücke auf der Strecke blieben. Mochte das bei folkloristisch gefärbten Stücken von Albéniz und Turina noch vertretbar sein, so wurde es höchst fragwürdig bei der „Rossiniana Nr. 1“ des Klassikers Mauro Giuliani. Legitim war dieser interpretatorische Ansatz beim Schlussstück, der von türkischer Musik beeinflussten „Koyunbaba“ des Italieners Domenico. Als Zugabe des umjubelten Auftritts gab es die Gitarrenadaption einer „Gnossienne“ von Eric Satie.

Gleich zwei Gewinner beim Aachener Gitarrenpreis

In der Pause des Konzerts wurden die Gewinner des Gitarrenpreises, der unter dem Dach der Kammermusikreihe Accordate angesiedelt ist, vorgestellt.

Die sechsköpfige Jury verlieh zwei erste Preise und einen dritten Preis. Erste Preisträger sind David Dyakov (Mitte) und Niklas Johansen (links). Der gebürtige Bulgare Dyakov studiert bei Prof. Hubert Käppel in Köln und hat schon zehn internationale Preise gewinnen können. Der Däne Johansen ist Erasmus-Student bei Prof. Ricardo Gallén in Weimar. Der dritte Preisträger ist Jinsae Kim aus Korea, er studiert bei Prof. Gerhard Reichenbach in Wuppertal.

AZ/AN vom 18.11.2014

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