Henrik Wiese (Flöte), Alexander Hülshoff (Violoncello), Stefan Palm (Cembalo)

Sanssouci - Am Hof Friedrichs des Großen - Alte Musik
3. Abo-Konzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Henrik Wiese
Henrik Wiese
Foto Alexander Hülshoff
Alexander Hülshoff
Foto Stefan Palm
Stefan Palm

Künstler

Henrik Wiese (Flöte)
Alexander Hülshoff (Violoncello)
Stefan Palm
(Cembalo)

Wie viele Monarchen, Prinzen und Grafen sind heute nur noch bekannt, weil sie Mäzene und Förderer von Künstlern waren. Bei Friedrich dem Großen von Preußen kommt noch sein eigener Beitrag zur Musikwelt hinzu, ohne seine staatsmännischen Verdienste schmälern zu wollen. Gerade auf dem Gebiet der Travers- und Querflöte hat er etliche Verbesserungen anregen können und lassen. Wir hören auf originalen Instrumenten ein abwechslungsreiches Programm, das im unmittelbaren Umfeld des Königshofes entstanden ist oder aufgeführt wurde, mit dem Soloflötisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks München Henrik Wiese, dem mehrfachen internationalen Preisträger (u.a. des hoch angesehenen Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in München) Stefan Palm (Cembalo) und dem weltweit als Solisten und Kammermusiker tätigen Cellisten Alexander Hülshoff.

Programm

Johann Sebastian Bach
Sonate D-dur BWV 1028
Triosonate c-Moll BWV 1079
Triosonate G-Dur BWV 1039
Concerto nach ital. Gusto BWV 971

Wilhelm Friedemann Bach
Sonate e-Moll

Luigi Boccherini
Sonate A-Dur "L'Imperatrice"

Jean Pierre Duport
Adagio Cantabile für Violoncello solo

Johann Philipp Kirnberger
Sonate Nr. 9 g-Moll

Kritik

Ein Hauch von Sanssouci weht durch den Aachener Krönungssaal

Accordate-Konzert glänzt mit hochkarätiger Besetzung: Henrik Wiese, Alexander Hülshoff, Stefan Palm. Die Akustik ist problematisch.

Von Thomas Beaujean

Aachen. „Sanssouci – Am Hof Friedrichs des Großen“ war das Accordate-Konzert im wieder einmal voll besetzten Krönungssaal im Aachener Rathaus etwas spekulativ überschrieben, dürften doch von den aufgeführten Werken nur wenige in Sanssouci erklungen sein. Das änderte freilich nichts an der hochkarätigen Zusammensetzung der drei für diesen Abend mit alter Musik verantwortlichen Musiker: Henrik Wiese (Flöte), Alexander Hülshoff (Violoncello) und Stefan Palm (Cembalo) sind allesamt ausgewiesene Könner ihres Fachs.

An der exquisiten Ausführung der Sonaten von Johann Philipp Kirnberger, Johann Sebastian Bach, Luigi Boccherini und dem Adagio von Jean Pierre Duport war denn auch nichts auszusetzen. Perfekt gelang das Zusammenspiel, alle Musiker bewiesen eine ausgefeilte Spieltechnik, Henrik Wiese, Soloflötist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, brillierte mit virtuosem Spiel und einem breiten Spektrum an Klangfarben. Ähnliches ist über Alexander Hülshoff zu sagen. Und Stefan Palm ist ein hierzulande wohlbekannter Meister der Tasteninstrumente, dem in Sachen barocker Kammermusik niemand etwas vormacht.

Wenn der Abend dennoch nicht gänzlich befriedigend war, dann lag das an dem akustischen Ungleichgewicht der Melodieinstrumente mit dem Cembalo. Der Cembaloton ist in einem so groß dimensionierten Raum wie dem Krönungssaal einfach nicht durchsetzungsfähig genug. Das ist zu verschmerzen in Werken, in denen es reine Continuo-Funktion ausübt. Im Zusammenwirken mit dem tonlich sehr delikat musizierenden Cellisten gelangen die Continuo-Parts denn auch zufriedenstellend.

Problematisch wird es in den für Flöte und Cembalo bearbeiteten Triosonaten von Bach, die für zwei Melodieinstrumente konzipiert sind und wo das Cembalo ein klanglich gleichwertiger Partner sein müsste. Hier war es auf hoffnungslos verlorenem Posten, so sehr sich Henrik Wiese durch tonliche Zurückhaltung um größtmögliche Klangbalance bemühte.

Auch die Gambensonate von Bach, in der sich Hülshoff als brillanter, intonationssicherer und in barocker Aufführungspraxis versierter Cellist präsentierte, litt unter dem klanglichen Ungleichgewicht. In Bachs italienischem Konzert konnte Palm als Solist sein absolut souveränes Cembalospiel demonstrieren. Das lief in den Ecksätzen ab wie ein Uhrwerk. Viel Beifall für zum größten Teil hochvirtuose Darbietungen, der die Musiker zu zwei Zugaben animierte.

AZ/AN vom 22.03.2011

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