Gustav Rivinius (Violoncello), Paul Rivinius (Klavier)

Fantastisch und leicht!
2. Abo-Konzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Gustav Rivinius
Gustav Rivinius
Foto Paul Rivinius
Paul Rivinius

Künstler

Gustav und Paul Rivinius besuchen Accordate nun schon zum dritten Mal. Nachdem sie uns in anderen Besetzungen (mit Sharon Kam, Klarinette, Julian Steckel, Violoncello, dem Mozart Piano Quartet und dem Bartholdy Streichquintett) wunderbare Konzertabende geschenkt haben, war es an der Zeit, die beiden weltweit in den ersten Häusern gastierenden Brüder endlich gemeinsam in einem Rezital zu hören!

Programm

Beethoven, Variationen über Mozarts "Bei Männern, welche Liebe fühlen"
Beethoven, Sonate D-Dur op.102/2
Debussy, Sonate (1915)
Rachmaninoff, Sonate g-moll op. 19

Kritik

Ein außerordentlicher Abend zum Dahinschmelzen

Accordate-Konzert im voll besetzten Krönungssaal: Die Brüder Rivinius bestechen durch ihr feinnerviges Zusammenspiel

Von Thomas Beaujean

Aachen.

Im ersten Konzert der Accordate-Reihe 2020 war der große Jubilar dieses Jahres mit gleich zwei Werken vertreten. Ludwig van Beethovens Variationen über ein Thema aus Mozarts „Zauberflöte“ und die späte Cello-Sonate D-Dur op. 102 bildeten im wieder voll besetzten Krönungssaal den Auftakt zum Duo-Abend der Brüder Gustav Rivinius (Violoncello) und Paul Rivinius (Klavier).

Schon die ersten Töne des Geschwisterpaares deuteten an, dass dieser Abend ein außerordentliches künstlerisches Ereignis werden würde. Die Feinnervigkeit des Zusammenspiels, die präzise dynamische Abstimmung und der wunderbar sonore Ton des Cellisten nahmen von Anfang an gefangen.

Die Charakteristik jeder einzelnen der zwölf Variationen über „Ein Mädchen oder Weibchen“ wurde dabei ebenso präzise erfasst und realisiert wie die so konträren drei Sätze der 17 Jahre später entstandenen Sonate Beethovens. Die schroffen dynamischen Kontraste des Einleitungssatzes, die wunderbar verinnerlichte, choralartige Linie des Adagios und die widerborstige Fuge des Finales fanden in dem Duo eine Interpretation, die dem Hörer den Zugang zu diesem an sich sperrigen und schwer zugänglichen Werk erleichterten.

Die variable und noble Tongebung von Gustav Rivinius ist wie geschaffen für Claude Debussys späte Cello-Sonate, die dem Cello-Part bewusst den klanglichen Vorrang vor dem „Begleitinstrument“ Klavier zuweist. Der Rückgriff auf barocke Modelle, die schwebende, modal angehauchte Harmonik, das spanische Kolorit des zweiten und dritten Satzes: Die Wiedergabe durch Gustav und Paul Rivinius bestach durch ihre differenzierte, die Farbigkeit dieser Musik voll zur Geltung bringende Lebendigkeit und klangliche Ausgewogenheit.

Bestechend dabei die Makellosigkeit der Intonation von Gustav Rivinius’ Cellospiel, die sich auch bei der großen Cello-Sonate von Sergej Rachmaninow manifestierte. Die Sonate weist den gleichen immer leicht melancholisch gefärbten melodischen Reichtum auf wie das im selben Jahr entstandene zweite Klavierkonzert. Was die beiden Brüder hier an intensiver Melodiegestaltung, an rhythmischer Verve, an genau ausgehörter dynamischer Balance zauberten, das war zum Dahinschmelzen. Und bei den Zugaben, ohne die das völlig begeisterte Publikum die beiden nicht entließ, blieben die Musiker mit der „Vocalise“ und einer frühen Romanze des 17-Jährigen bei Rachmaninow.

AZ/AN vom 14.01.2020

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