Carmina Quartett (Streichquartett)

4. Abo-Konzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Carmina Quartett
Carmina Quartett

Künstler

Matthias Enderle (Violine)
Susanne Frank
(Violine)
Wendy Champney
(Viola)
Stephan Goerner
(Violoncello)

Das 1984 gegründete Carmina Quartett ist sicher die auf Weltklasseniveau spielwütigste, ständig zwischen Witz und Raffinement changierende Streichquartettvereinigung unserer Zeit. (Stuttgarter Nachrichten)

Programm

Maurice Ravel (1875 - 1937)
Streichquartett F-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)
Streichquartett G-Dur KV 387

Antonin Dvorák (1841 - 1904)
Streichquartett Nr. 12 F-Dur op. 96
"Amerikanisches Streichquartett"

Kritik

Packend und mitreißend die Grenzen des Hörbaren gestreift

Carmina Quartett setzt zum Schluss der Accordate-Reihe im Krönungssaal den Höhepunkt. Publikum ist restlos begeistert.

Von Thomas Beaujean

Aachen. Einen finalen Höhepunkt erlebte die neugegründete Kammermusikreihe „Accordate“ am Ende ihrer ersten Saison: Das in der Schweiz ansässige Carmina Quartett bot bei seinem Auftritt im Krönungssaal Streichquartettkunst in Vollendung. Matthias Enderle, Susanne Frank (Violine), Wendy Champney (Viola) und Stephan Goerner (Violoncello) verfügen über all das, was eine Quartettformation in die erste Reihe ihrer Zunft versetzt: traumhaft sicheres Zusammenspiel, blitzsaubere Intonation, absolute Ausgeglichenheit der vier Mitglieder, eine unendlich differenzierte Klangpalette und Mut zu klanglichen Experimenten.

Letzteres allerdings kann auch zur Gefahr werden: Was dem Streichquartett von Maurice Ravel einen traumhaften Zauber verleiht, kann bei Mozart oder Dvorak leicht artifiziell wirken. So war denn auch die Wiedergabe von Ravels Quartett der unumstrittene Höhepunkt des Abends.

Was die vier hier an klanglichem Raffinement, an dynamischen Kontrasten auf engstem Raum, an rhythmischer Verve, an Wechselspiel zwischen packendem Zugriff und feinsten, die Grenzen des Hörbaren streifenden Klängen zauberten, das war packend, hinreißend. Bei Mozarts Quartett Nr. 14 G-Dur sorgte diese klangliche Differenzierung im fugierten Finale zwar für eine blendende Durchhörbarkeit der komplexen polyphonen Strukturen, dennoch hätte sich mancher hier eine größere Natürlichkeit des Musizierens gewünscht. Besonders deutlich wurde dies bei der Zugabe des langsamen Satzes aus Mozarts Dissonanzenquartett.

Robuster ging es zu bei Anton Dvoraks beliebtem Amerikanischem Quartett, das die vier Musiker lustvoll ausspielten und dabei den folkloristischen Aspekten dieser Musik zu ihrer notwendigen Geltung verhalfen. Freilich ging es auch hier nicht ganz ohne interpretatorisches Kalkül zu. Es blieb bei aller Temperamentsentfaltung und zupackender Klangentwicklung ein Rest von kopfgesteuerter Reserve. Dass sich dies auf einem ungeheuer hohen Interpretationsniveau abspielte, bleibt völlig außer Frage. So war denn auch die Reaktion des Publikums zu Recht überaus begeistert.

AZ/AN vom 20.05.2008

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