Arcadia Quartett (Streichquartett)

Intime Briefe
4. Abokonzert

Datum:

Ort: Krönungssaal im Rathaus

Foto Arcadia Quartett
Arcadia Quartett

Programm

Haydn
Streichquartett G-Dur op. 76 Nr. 1 Hob. III:75

Janacek
Streichquartett Nr. 2 "Intime Briefe"

Beethoven
Streichquartett Nr. 8 e-Moll op. 59 Nr. 2 "Razumovsky"

Kritik

Mit schwerem Gepäck

Arcadia Quartet beim Accordate-Saisonabschluss

Von Thomas Beaujean

Aachen. Abschied vom Schirmherrn, Aachens scheidendem GMD Marcus Bosch, eine Tombola mit der Möglichkeit des Erwerbs einer Graphik von Klaus Endrikat zugunsten des Hilfsfonds Kinder in Not, und schließlich eine jener aufstrebenden jungen Quartettformationen, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen und dennoch schon ein erstaunliches Maß an künstlerischer Reife erreicht haben: All dies war zu erleben beim Saisonabschluss der Accordate-Kammerkonzerte im wieder einmal ausverkauften Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Das aus Rumänien stammende Arcadia String Quartet mit Ana Török, R?svan Dumitru, Traian Boal? und Zsolt Török war mit schwerem Gepäck angereist: Quartette von Haydn, Janá?ek und Beethoven bildeten eine äußerst anspruchsvolle Programmfolge, die sowohl Musikern wie Zuhörern einiges abverlangte. Von Beginn an bewiesen die vier jungen Leute eine unspektakuläre, ganz dem Werk dienende Musizierhaltung, die technische Perfektion, klangliche Ausgeglichenheit, traumhaft sicheres Zusammenspiel mit profunder Stilkenntnis und einer hohen Intensität des Spiels verbanden.

Das G-Dur-Quartett aus Joseph Haydns letzter Quartett-Serie op. 76 erstand in einer frischen, klanglich schlanken, sorgfältig phrasierten, die komplexen polyphonen Strukturen plastisch herausarbeitenden Wiedergabe. Geradezu explosiv und überrumpelnd in ihrer emotionalen Dichte, ihrer äußersten Differenzierung und ihrer unbändigen klanglichen Intensität die Aufführung von Leoš Janá?eks 2. Streichquartett „Intime Briefe“, jener in Musik gesetzten rauschhaften Erfahrung einer späten Liebe des Komponisten. Die Unbedingtheit des Ausdrucks, die die abrupten Kontraste dieser Musik mit vollem Risiko ausspielte, nahm dem Publikum geradezu den Atem. Eine meisterhafte, geradezu exemplarische Wiedergabe dieses fieberhaften Bekenntniswerkes.

Ludwig van Beethovens 2. „Rasumowsky“-Quartett rundete die anspruchsvolle Werkfolge ab. Das bei vielen jüngeren Quartettformationen heute übliche Experimentieren mit feinsten Klangmodifikationen, die manchmal die Grenze des Manirierten streifen, war auch hier zumindest in den beiden ersten Sätzen zu beobachten. Dennoch eine Beethoven-Wiedergabe von großer Stringenz und Klarheit, die auch von kleinen Intonationslabilitäten der Primaria nicht entscheidend getrübt wurde. Am Ende reichten die Kräfte nur noch zur Wiederholung des Trio-Teils mit dem „Thème russe“ als Zugabe. Große Begeisterung beim Publikum.

AZ/AN vom 08.05.2012

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