Kuss-Quartett

So, 07.03.2010, 18 Uhr

Kuss-Quartett
Jana Kuss (Violine)
Oliver Wille (Violine)
William Coleman (Viola)
Mikayel Hakhnazaryan (Violoncello)

Obwohl international gefragt, ist das Kuss Quartett eigentlich eine "Berliner Pflanze". Nicht allein, dass es sich in dieser Stadt gründete und dort auch sein Debüt gab, seit 2005 bereichert es Berlin mit der eigenwilligen Reihe "Kuss Plus" im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie.
Das Kuss Quartett zählt ohne Zweifel zu den größten Streichquartett-Hoffnungen. Es wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ist seither auf den bedeutenden Podien der Welt zu Gast. Die herausragenden Interpretationen der vier jungen Künstler überzeugen durch große Ausdruckssicherheit, ausgeprägte Tonschönheit und souveräne Technik.

Programm

Ludwig van Beethoven
Streichquartett F-Dur op. 135

Franz Schubert
Streichquartett Nr. 15 G-Dur D 887

Kritik

Mit vollem Risiko und fast spielerischem Tonfall

Das junge Kuss-Quartett überzeugte in der „Accordate“-Reihe durch engagierte Interpretation von Beethoven und Schubert

Von Thomas Beaujean

Aachen. Es war nicht gerade leichte Kost, die das junge Kuss-Quartett dem Accordate-Publikum im vollbesetzten Aachener Krönungssaal unter dem Motto „Wien 1826“ servierte. Handelt es sich doch bei den jeweils letzten Quar­tettkompositionen von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert, beide 1826 entstanden, um Musik, die in ihrer Auflösung der formalen und motivischen, im Falle Schubert die Grenzen der Tonalität streifenden Strukturen schwer zugänglich ist.

Das Kuss-Quartett mit Jana Kuss, Oliver Wille, William Coleman und Felix Nickel präsentierte sich als eine jener aufstrebenden jungen Quartettvereinigungen, die klangliche Ausgeglichenheit mit künstlerischer Individualität verbinden.

So trafen sie den fast spielerischen Tonfall des Beethoven-Quartetts mit seinem transparenten Klangbild, das sich selten zu vollen Klängen verdichtet, in vorbildlicher Weise.

Nach den mit großem Elan vorgetragenen ruppig-synkopierten Rhythmen des Scherzos geriet der herrliche langsame Satz zu einem Ruhepunkt von entrückter Schönheit. Der gelöste Charakter des ersten Satzes fand nach der „schwer gefassten Entschluss“-Einleitung, die Beethoven dem Finale voranstellte, ihre krönende Fortsetzung.

Franz Schubert lotet in seinem letzten Quartett G-Dur die Grenzen der Gattung aus. Die abrupten Dur-Moll-Wechsel, das Schweben der Tonalität, die Häufung der Tremoli mit ihren fahlen Klangwirkungen im Wechsel mit gerade orchestral anmutenden Passagen: All dies macht dieses Quartett zu einem höchst anspruchsvollen Experimentierfeld, auf dem sich ambitionierte Vereinigungen austoben können.

Das Kuss-Quartett tat dies mit größtem Engagement, äußerster klanglicher Intensität und mit vollem Risiko. Letzteres führte allerdings auch zu einigen Intonationsproblemen der Primaria Jana Kuss.

Als Zugabe ein ungetrübter, leichtfüßiger Satz aus Mozarts 1. Streichquartett.
AZ/AN vom 10.03.2010